2011-04-01

A - Sozial

Ist es nicht doch unheimlich, was man um sich herum beobachten kann? Diese Entsolidarisierung, das "Jeder ist sich selbst der Nächste", das Besitzansprücheerheben?!

«Zuerst ich, ihr Egoisten!»

Die Parteien behaupten alle, daß die jeweils anderen Parteien ja nur noch "gegen etwas" seien. Oder für das Schlechtere. Was sie selbst tun, ist dann immer "alternativlos". Dabei gibt es immer eine Wahl, wenn man sich nicht einem Diktat unterwirft - indem man sich nicht einem Diktat unterwirft.

Wir leben meiner Meinung nach schon lange wieder in einer Diktatur: Unter der Knute des Kapitals. Denn nur zu dessen Gunsten, zugunsten seines freien Tummelplatzes "Markt" wurde alles (fast alles) Soziale abgeschafft.

Beispiele? Für dieses Land hier?

  • Wie kommen die europaweit höchsten Arzneimittelpreise zustande?
     
  • Wieso sollen alle Privatkopien unrecht sein?
     
  • Weshalb werden normale Arbeitsplätze durch immer mehr billige Zeitarbeitskräfte besetzt?
     
  • Warum werden Brillen und Zahnersatz nicht mehr von den Krankenkassen bezahlt?
     
  • Wieso bekommen ein paar Banken mal eben so mehr als 500 Mrd. Stütze, aber fü sieben Millionen Menschen sind 40 Mrd. zuviel?
     
  • Für den verdammten, ungewollten Euro sind mal eben so 22 Mrd. Rettungszahlungen drin (plus Milliarden an Garantien), für das Bildungspaket lächerliche 10 Euro pro Kind und Monat?
     
  • Für Bezieher von ALG-II (also für die, die den Unternehmen erst Dumpinglöhne möglich machen) werden keine Beiträger zur normalen Rentenversicherung bezahlt. Für diese Menschen gibt es also auch keine Rehabilitationsmaßnahmen mehr …
     
  • Mittlerweile sind: die Freizügigkeit des Aufenthaltes, die freie Berufswahl, die freie Arztwahl, das Recht auf Bildung und nun auch die Vertragsfreiheit – u.a. auch bei Mietverträgen – (alles im GG verankert) der EHB nicht mehr existent.
     
Und das ließe sich weiter fortsetzen.

Wo ist das das Soziale der sozialen Marktwirtschaft abgeblieben?

In diesem Sinne: Ich denk heut an Rio Reiser …

© 2011 - Der Emil

2011-03-23

Elephantasie (Nº 82 #oneaday)


 
Zwischen Bäcker- und Gemüsestand,
umgeben von menschlichen Massen,
erschien mir heute ein Elephant.
Ihr glaubt, ich hab' nicht alle Tassen
im Schrank, wär' nicht richtig im Kopf?

Doch diese Gelegenheit griff ich beim Schopf
und drängte mich näher ans Tier.
Und in seinem braungroßen Auge
sah ich, wie es suchte nach mir
und frug, ob als Freund ich wohl tauge.

Wie nebenbei griff mit dem Rüssel es sacht
nach Trauben und Äpfeln, die ihm jemand bot,
und die Geberin hat gar herzlich gelacht.
Und der Bäcker gab ein kleines Brot.
Dem Elephanten schien es zu schmecken.

Ich wollte das Tier nicht erschrecken,
doch zog's meine Hand wie magnetisch
auf die aschgraue Haut voller Falten,
als wär'n Elephanten mein Fetisch!
Ich hab' mich am Tier festgehalten.

Es waren nur ein paar Sekunden:
ich Mensch und ein Elephant.
Mir schienen es beinahe Stunden,
die ich mit dem Tier so dort stand.

Dann zog dieser Elephant weiter
und war schon bald nicht mehr zu seh'n.
Es blieben - nun ein wenig heiter
gestimmt - nur die Menschen dort steh'n.

So surreal schien das Erlebnis!
Ich wünschte mir laut loszuschrei'n!
Beim Denken kam dann das Ergebnis:
Das Tier mußte vom Zirkus sein …
 

03-Elephantasie-Der Emil by Der Emil

Gestern nachmittag stand ich gegen 15 Uhr an der Straßenbahnhaltestelle auf dem Halleschen Marktplatz, als die 20jährige Elephantendame mit ihrem Pfleger Werbung für "ihren" Zirkus machte. und ich hatte ausnahmsweise KEINE Kamera dabei. Falls ich wirklich mal zu einen Poetry Slam geh', wird das mein erster Vortrag. Versprochen.
 
Und nun ist wordpress.com offline wegen eines DDOS …

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für's Lesen.

In diesem Sinne: Achtet auf eure Elephanten ...

© 2011 - Der Emil CC by-nc-nd der_emil(at)arcor(dot)de

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2011-03-18

Gute Nacht

Zu tränen rührend

… ist auch ganz Anderes als das, was zur Zeit die Nachrichten bestimmen.

Habt ihr euch schonmal verabschiedet?

Weil ihr es wolltet? Obwohl es euch gutging? Da wo ihr wart oder mit dem, was ihr hattet? Richtig gutging?

Genau das hab ich schon desöfteren getan.

Und dafür gibt es ein Lied:

 
Gute Nacht, Freunde
Es wird Zeit für mich zu geh'n
Was ich noch zu sagen hätte
Dauert eine Zigarette
Und ein letztes Glas im Steh'n

Für den Tag, für die Nacht unter eurem Dach habt Dank!
Für den Platz an eurem Tisch, für jedes Glas, das ich trank
Für den Teller, den ihr mit zu den euren stellt
Als sei selbstverständlicher nichts auf der Welt

Gute Nacht, Freunde
Es wird Zeit für mich zu geh'n
Was ich noch zu sagen hätte
Dauert eine Zigarette
Und ein letztes Glas im Steh'n

Habt Dank für die Zeit, die ich mit euch verplaudert hab'
Und für Eure Geduld, wenn's mehr als eine Meinung gab
Dafür, daß ihr nie fragt, wann ich komm' oder geh'
Für die stets offene Tür, in der ich jetzt steh'

Gute Nacht, Freunde
Es wird Zeit für mich zu geh'n
Was ich noch zu sagen hätte
Dauert eine Zigarette
Und ein letztes Glas im Steh'n

Für die Freiheit, die als steter Gast bei euch wohnt
Habt Dank, daß ihr nie fragt, was es bringt, ob es lohnt
Vielleicht liegt es daran, daß man von draußen meint
Daß in euren Fenstern das Licht wärmer scheint

Gute Nacht, Freunde
Es wird Zeit für mich zu geh'n
Was ich noch zu sagen hätte
Dauert eine Zigarette
Und ein letztes Glas im Steh'n

Gute Nacht, Freunde
Es wird Zeit für mich zu geh'n
Was ich noch zu sagen hätte
Dauert eine Zigarette
Und ein letztes Glas im Steh'n
 

In diesem Sinne: Sleep well.

© 2011 - Der Emil

2011-03-14

Darf ich das?

Freude ./. Grabstein?

Ich hatte das Ding gesehen und war von ihm begeistert. Weil es so ungewöhnlich, so besonders ist. Symbolträchtig nicht nur in seiner Funktion, sondern diesmal auch in seinem Aussehen - und zwar auf eine völlig andere Art und Weise, als die sonstigen Dinge hier Symbole sind.

Ein Grabdenkmal auf einem Urnengrab.

Es ist ist sich selbst verschlungen, erinnert aus bestimmtem Blickwinkel an ineinanderverschlungene Herzen; es zeigt Unendlichkeit und Endlichkeit zugleich. Es läßt den Blick durch sich hindurch zu auf die Umgebung. Selbst wenn der am Grab stehende Trauernde nur darauf blickt, sieht er das Leben hinter dem Grabmal. Ich sehe den ewigen Kreislauf, Anfang und Ende, das Abgeschlossene und das Offene.

Für mich symbolisiert diese Form auch das All-Eine, den Geist, den «Himmel», das danach Kommende …

Und ich dachte wirklich von 15 Uhr (um diese Uhrzeit hatte ich die ersten Aufnahmen davon gemacht) bis 22 Uhr darüber nach: Darf ich das? Kann ich ein Grabdenkmal, einen Grabstein einfach so als Gegenstand einer Kurzweil benutzen? Ist das pietätlos?

Ganz geheuer war mir nicht, als ich zur Tat schritt und das Bilderrätsel verfaßte und veröffentlichte (auch in diesem Blog war ein Hinweis zu finden). Aber ich faßte mir ein Herz und tat es einfach.

Für den Moment trennte ich Form und Funktion voneinander - und die Funktion verdrängte ich bis zum Schreiben der Auflösung. Und ich dachte wieder nach: Darf man das, darf ich das? Vor allem: weil ich Freude an den Kommentaren und Lösungsvorschlägen hatte?

Für mich habe ich jetzt beschlossen, daß ich es darf. Ich darf mich an Schönem erfreuen und diese Freude mitteilen - auch wenn es «nur» oder gerade wenn es die From eines Grabsteins ist, die mich beeindruckt, aber nicht bedrückt.

In diesem Sinne: Wer mag, darf mit mir schimpfen.

© 2011 - Der Emil

2011-03-08

Dichterhimmel

Zu meinem Blog Lyrikbimmel reimte sich in meinem Kopf heute noch das folgende:

Reimübung im Rhythmus 3-3-4-4 zur aktuellen Kunstaktion

Straßenbahngedicht

Straßenbahn.
Sendungswahn.
Narrenkäppchen.
Lyrikhäppchen.

Poesie.
Nostalgie.
Schöner leben.
Weitergeben.

Stadtrundfahrt.
Auch mit Bart.
Buch gelesen.
Hier gewesen.

Text gesehn.
Weitergehn.
Dagesessen.
Nicht vergessen.

Neue Kunst.
Lesers Gunst.
Wendestelle.
Glückszufälle.

Kurzgedicht.
Schreib ich nicht.
Dichterhimmel?
Lyrikbimmel

04-Dichterhimmer-Der Emil by Der Emil

So als Fingerübung entstanden …

Kommentare in Reimform werden gerne entgegengenommen.

In diesem Sinne: Reim Dich oder ich freß Dich!

© 2011 - Der Emil

2011-03-06

Lied ohne Noten

(im Stile Hermann van Veens zu singen)

Manchmal schreibe ich Gedichte. Auch heute noch. Und manchmal hab ich auch gleich die Melodie dazu.

So war es bei diesem Stück:

 
Lied ohne Noten
 
ein ausgerissner baum / streckt leise seine aeste
hinaus in'n weiten Raum / als ob ich ihn erpresste
zu bluehen noch in Todeswund
zu bluehen noch zu spaeter stund
ein ausgerissner baum / reckt leise seine aeste
 
ein hingeworfner stein / schickt muede noch sein funkeln
in'n abenddaemmerschein / man sieht ihn kaum im dunkeln
's ist keiner der ihn angefasst
er ist nur noch das was man hasst
ein hingeworfner stein / schickt muede noch sein funkeln
 
ein abgerissner halm / vom gras dort auf der wiese
vergeht ganz schnell im qualm / wenn ich in's feuer giesse
das oel, das hitze treibt und glut
das oel, das wallen laesst das blut
ein abgerissner halm / vom gras dort auf der wiese
 
ein mensch der nicht versteht / das menschen menschen lieben
der ahnt nicht dass schon steht / sein ende festgeschrieben
verzweiflung wut und trauer auch
zerfressen ihm herz hirn und bauch
ein mensch der's nicht versteht / wird niemals wirklich lieben

© 2001 - Der Emil
 

 
Ein (selbstgesungenes, selbstgitarrisiertes) OGG davon liefere ich im Laufe der Woche nach.

In diesem Sinne: Singt mal wieder!

© 2011 - Der Emil

2011-02-24

Briefe von Tieren

Flachsi

Wolfgang Edelmayer ist (in meinen Augen und Ohren) ein Ausnahmekünstler.

Einer, der sich auch engagiert.

Einer, der sich äußern kann und sich äußert.

Und wenn ich dieses Lied höre, dann vergesse ich das ganze Guttengeberge des Herrn von und zu CopyPaste.

Denn das ist nicht das wichtigste Thema. Und Tiere sind ehrlicher als Adlige. Tiere können nicht betrügen.

Sie werden genauso betrogen wie wir Menschen.

Wir könn(t)en uns wehren.

In diesem Sinne: «Bleibet im Lande und wehret euch täglich!» (Hieß es '89 auch schon.)

© 2011 - Der Emil